Gequält von Mückenstichen, Schlafentzug und Verzweiflung sitzt Roger Casement 1916 in einer Gefängniszelle im Londoner Pentonville Prison und wartet auf seine Hinrichtung. Der einstige Held ist zum Geächteten geworden. Nun erinnert sich Casement an sein Leben als Diplomat und Abenteurer, der sich dem Kampf gegen die grausamen Kolonialherren im Kongo und Amazonas gewidmet hatte. Gegen die Habgier, Brutalität und Unersättlichkeit, die die Eroberer gegenüber den Eingeborenen walten ließen.
Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa erzählt die Geschichte von Roger Casement, ein Brite mit irischen Wurzeln. Er erhält Anfang des letzen Jahrhunderts einen abenteuerlichen Auftrag: Als Diplomat soll er nach Afrika in den Kongo reisen
- damals eine belgische Kolonie -, um den Abbau des damals so wichtigen Kautschuks zu dokumentieren. Die Reise entpuppt sich schnell als ein gefährliches Vorhaben.
Der Diplomat beobachtet wie die Kolonialherren und ihre Komplitzen die Eingeborenen auf unmenschliche Weise drangsalieren. Das Auspeitschen und Abhacken von Händen, Füßen und Geschlechtsteilen gehören zum Alltag. Die Kongolesen müssen, um ihre Schulden zu bezahlen, ihre Kinder verkaufen und ihre Frauen in den Bordellen arbeiten lassen.
Nach diesen schrecklichen Erfahrungen im Kongo erhält Casement1906 erneut einen humanitären Auftrag, um die Verbrechen einer mit britischem Kapital in Brasilien tätigen Firma aufzudecken. Auch hier lernt er Habgier und Brutalität kennen.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs sucht der ehemalige Diplomat die Unterstützung der deutschen Regierung für die irische Unabhängigkeitsbewegung. Er reist mitten im Krieg der Weltmächte heimlich nach Berlin; sein Begleiter und Geliebter Eivind Adler Christensen verrät ihn an den britischen Geheimdienst. Zurück in Großbritannien, wird Casement verhaftet.
Der Kelte endet tragisch als Freiheitskämpfer: Wegen Hochverrats im puritanischen England angeklagt, wird er anhand seiner geheimen Tagebücher überfuhrt. Auch die Aufdeckung seiner Homosexualität trägt zu seiner Verurteilung bei.
Am 3. August 1916 wird Roger Casement in London hingerichtet.
Bewundernswert wie Mario Vargas Llosa mit Klarheit und Vielschichtigkeit die Komplexität des Kolonialismus darstellt,
die Ausbeutung und Unterdrückung der Bevölkerung und den Widerstand gegen die
Kolonialherren.
Ein außergewöhnlicher Roman, der von Burghart Klaußner beeindruckend gelesen wird.
...Rainer Wessien
Mario Vargas Llosa , 1936 im peruanischen Arequipa geboren, studierte Sprachen in Lima und Madrid und arbeitete dann als Journalist in Paris.
1962 erschien sein erster Roman Die Stadt und die Hunde, der bereits zu einem internationalen Erfolg wurde. Auch seine weiteren Romane wie Das grüne Haus oder Der Krieg am Ende der Welt fanden weltweit bei Kritik und Lesepublikum Beachtung.
Burghart Klaußner , geb. 1949 in Berlin, erhielt seine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin. Er hatte Engagements am Maxim Gorki Theater Berlin, Schauspielhaus Bochum, Schauspielhaus Zürich, Deutsches Schauspielhaus in Hamburg u.v.a. Außerdem wirkte er in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit und wurde mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt mit dem deutschen Filmpreis für seine Rolle in „Das weiße Band”. Als Hörbuchsprecher liest er u.a. „Verbrechen“ von Ferdinand von Schirach.
Weiteres Hörbuch: Tante Julia und der Kunstschreiber
Quelle: der Hörverlag
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